Heimatabend im evangelischen Gemeindezentrum Altendorf: 100 Gäste drängen sich in den kleinen Gemeindesaal. Sie alle sind gekommen um zu hören, was Christoph Wilmer, Historiker und spezialisiert auf die Geschichte der Essener Stadtteile, erzählen wird.
Das Interesse ist groß, denn die Altendorferinnen und Altendorfer wissen um die bewegte Geschichte ihres fast 200 Jahre alten Stadtteils. Viele treffen sich regelmäßig im Geschichtskreis und einige haben sich bereiterklärt, ihre ganz persönlichen Geschichten und Erlebnisse für eine Publikation zum Thema „Heimatgefühle“ zu erzählen. Diese ist am Tag des Heimatabends druckfrisch und die Gäste können es kaum erwarten, die Geschichten von Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern auf Papier gedruckt zu sehen.
Simone Raskob, Geschäftsbereichsvorstand für die Bereiche Umwelt und Bauen, freut sich über das große Interesse: „Das zeigt, wie lebendig der Stadtteil Altendorf ist.“ In Erinnerung an den am 28. Dezember 2008 verstorbenen Bezirksbürgermeister sagt sie: „Bruno Pöllen wäre stolz gewesen, wenn er Sie alle heute Abend hier gesehen hätte.“
Stefan Christochowitz, leitender Grundstücksentwickler für den Krupp-Gürtel bei der ThyssenKrupp Real Estate GmbH, ergänzt gerührt, dass sich die enge Verbundenheit von Krupp - heute ThyssenKrupp - und Altendorf in den Gesprächen mit den Altendorferinnen und Altendorfern widerspiegelt. „Ich hoffe auf eine gute gemeinsame Zukunft hier in Altendorf“.
Dann bereiten die Essener Bandonion-Freunde ihre Instrumente und Liedblätter vor und kurz darauf schunkeln und singen 100 Gäste zu deutschem Tango, Slowfox und Rumba. Das Bandonion, das Bergmannsklavier, gehörte in der Zeit der Fördertürme zur Kultur des Ruhrgebiets wie Schrebergarten und Taubenschlag. Mehr als ein dutzend Vereine gab es allein in jeder Stadt. Feierabend-Musik klang damals aus Hinterhöfen und Gartenlauben. Mit der Zeit wurden es immer weniger Orchester. Heute ist sind die Bandonion-Freunde Essen das letzte - und sie gehören zu Altendorf.
Christoph Wilmer erzählt über die enormen Wandlungsprozesse und die spannende Geschichte Altendorfs - von der Landwirtschaft über die gigantischen Kruppwerke, von den Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg bis zur heutigen Neuorientierung durch die Ansiedlung der ThyssenKrupp-Konzernzentrale und die Entstehung des Krupp-Parks.
Zentrale deutsche Wirtschaftsgeschichte ist in Altendorf geschrieben worden. Und das wird sie auch jetzt wieder. Denn mit der Rückkehr der ThyssenKrupp Konzernzentrale beginnt für Altendorf wieder ein neues Kapitel, eine neue Geschichte.
Vieles von dem was Christoph Wilmer erzählt haben einige der Gäste noch selbst miterlebt. Man sieht, wie sie sich erinnern, wie bei der ein oder anderen Erzählung die Augen leuchten oder der Blick nach innen geht. Der Wandel im Stadtteil Altendorf ist nichts Abstraktes, er spiegelt sich in den Biographien der Altendorfer Bürgerinnen und Bürger und prägt ihre Lebensläufe.
Am Ende der kleinen Zeitreise durch den Stadtteil ist allen klar: Heimatabende wie diesen soll es in Altendorf nun öfter geben.
Im Rahmen des Projekts „Heimatgefühle“ wurden 13 Interviews mit Altendorfer Persönlichkeiten durchgeführt, die den Wandel und die Geschichte Altendorfs in beeindruckender Weise dokumentieren.
Die 95-seitige Broschüre „Altendorf und der Krupp-Gürtel – gestern, heute, morgen“ ist im Treffpunkt Altendorf, Kopernikusstraße. 8, auf Anfrage erhältlich.

(v.l.n.r.): Sabine Howald, Simone Raskob, Brigitte Brenneke, Stefan Christochowitz, Brigitte Liesner, Christoph Wilmer und Alfred Breuer.

Die "Bandonion-Freunde Essen" sind das letzte Bandonion-Orchester im gesamten Ruhrgebiet.

Barbara Strzelczyk und David Alexander von der Uni Duisburg-Essen haben für "Heimtgefühle" Interviews mit Altendorferinnen und Altendorfern geführt.